Aus Anlass dieses Jubiläums interviewten wir Reto Aschwanden, Geschäftsleiter von Label STEP, über seine persönlichen Motive, seine Aufgaben und über die Entwicklung der Fairtrade Organisation.

Welche Aufgaben nehmen Sie wahr?
Ich betreue 50 Unternehmen aus sieben Ländern, die sich als Lizenznehmer für fairen Teppichhandel engagieren und koordiniere die Kontrolle der Arbeitsbedingungen bei deren Lieferanten in den Herstellungsländern. Dazu stehe ich im ständigen Kontakt mit unserer fünf Niederlassungen in Afghanistan, Indien, Iran, Nepal und Pakistan, wo rund 20 Mitarbeitende täglich in den Produktionsstätten unterwegs sind und sich für gute Arbeits- und Lebensbedingungen einsetzen.

Was ist das Faszinierende an Ihrer Arbeit?
Sie ist sehr abwechslungsreich und es ist sehr befriedigend zu erleben, wie die partnerschaftliche Zusammenarbeit an der Schnittstelle von Handel, Industrie und Zivilgesellschaft konkrete Verbesserung für Menschen in wirtschaftlich benachteiligten Regionen bewirkt – und gleichzeitig einen Beitrag zur Erhaltung eines wunderbaren Kulturguts leistet

Wie kam es zur Gründung vor 20 Jahren?
Am Anfang stand der gemeinsame Wille von Schweizer Teppichhändlern und Hilfsorganisationen, die Situation der Teppicharbeiter zu verbessern. Ausschlaggebend war auch, dass damals Medienberichte über Kinderarbeit und unzumutbare Arbeitsbedingungen die Öffentlichkeit empörten.

Welche Rolle nimmt Pfister als Gründungsmitglied ein?
Als grösster Lizenznehmer ist Pfister ein Schlüsselpartner, der seine soziale Verantwortung wahrnimmt und auch als Vorbild für andere Händler dient. Seit diesem Jahr ist Christina Amrein, Category Managerin Teppich, auch im Vorstand.

Wie hat sich die Organisation entwickelt?
Zum einen ist sie gewachsen, vom Label für Schweizer Händler zum international anerkannten Gütesiegel für fairen Teppichhandel mit Partnern in sieben Ländern – zurzeit bauen wir unsere Präsenz auf dem US-Markt auf. Zum anderen wurden die Kontrollen in den Herstellungsländern immer lückenloser und wirksamer.

Unterscheiden sich die Engagements?
Ja, die sozialen Standards sind zwar universell gültig, aber bei der Festlegung unserer Verbesserungsmassnahmen gehen wir immer auf die lokalen Herausforderungen ein. So stehen in Afghanistan die zu tiefen Löhne im Fokus, während wir uns im Iran einsetzen, dass die Knüpferinnen vollen Zugang zu den staatlichen Sozialleistungen erhalten.

Welches sind heute die grössten Herausforderungen?
Trotz aller Fortschritte bleibt noch viel zu tun: TeppichknüpferInnen erhalten in vielen Regionen nach wie vor zu tiefe Löhne und sind von staatlichen Sozialleistungseinrichtungen ausgeschlossen. Missbräuchliche Kinderarbeit ist noch nicht aus der Welt geschafft und die Umweltfreundlichkeit in Färbereien und Endwäschebetrieben muss verbessert werden.

Was wünschen Sie Label STEP zum 20.Geburtstag?
Ich wünsche mir, dass das Comeback des Kulturguts handgemachter Teppiche anhält und diese in der stilvollen Einrichtung noch mehr Beachtung finden. Und ich wünsche mir, dass die Nachfrage von Produkten aus fairem Handel weiter steigt – zum Nutzen unserer Lizenznehmer und zum Wohle der TeppichknüpferInnen und ihrer Familien.

Knüpferin

Herzlichen Dank für die interessanten Ausführungen.