Christoph Hefti entwickelte nebst der Mode eine Leidenschaft für handgemachte Teppiche, entdeckte darin den direkten Austausch zwischen Designer und Handwerker, eine Verbindung, die in der Mode mehr und mehr verlohren geht. Für seine neuen Teppiche wurde er von verschiedenen Textilhandwerken inspiriert. Einerseits von Holzdrucken mit Batikmotiven für den Teppich ENNENDA und andererseits vom Handwerk des Filzens, welches beim Teppich FILZBACH angewandt wird.

ENNENDA

Holzdrucke mit Batikmotiven wurden früher im Glarnerland für den afrikanischen Markt hergestellt. Als Kind sah der Textildesigner diese zum ersten Mal bei seiner Grossmutter in Ennenda, als sie Stoffreste als Putzlappen gebrauchte.

Für den handgewobenen Sumak aus Schurwolle und Baumwolle, hergestellt in Indien, verwendet Christoph Hefti jedoch nur einen Ausschnitt aus dem Batikmotiv, sozusagen als abstrakte Erinnerung an diese Stoffe. Ennenda – ”dort drüben“ – symbolisiert für ihn diese kulturelle und industrielle Situation von den afrikanischen, im Glarnerland hergestellten Stoffen. Die Industrie gibt es nicht mehr, die Kulturen haben es traurigerweise nicht geschafft sich zu vermischen. Ennenda ist auch Christoph Heftis Bürgerort. ”Dort drüben“ ist für ihn auch eine Herausforderung, weiter zu schauen, aufzubrechen und sich fortzubewegen…

ENNENDA

Masse und Preise:
Ca. 170/240, CHF 695.-

FILZBACH

Filzen, eines der ältesten Textilhandwerke, bietet auch heute noch ungeahnte Gestaltungsmöglichkeiten. Denn jede Farbe und jedes Motiv wird Schicht für Schicht eingearbeitet und der Textildesigner kann die Intensität der Farben individuell bestimmen. Archäologische Fundstücke aus der Jungsteinzeit bezeugen, dass die ersten Filze aus gepressten Tierhaaren hergestellt wurden. Die Filzmacher von Yalvaç in Zentralanatolien benutzen reine Schurwolle.

Auch Christoph Hefti war von diesem seltenen und vom Aussterben bedrohten Handwerk fasziniert, als Niels Blättler, der Leiter von Atelier Pfister, ihm von den letzten Filzmachern in der Türkei erzählte. Es sind vorwiegend ältere Männer, die das Filzhandwerk noch beherrschen. Nachdem die losen Wollfasern maschinell kardiert und zu Flor verarbeiten wurden (Bild 1), wird dieses von Hand mit grossen Gabeln auf die Motivvorlagen verteilt (Bild 2), danach wird alles von Hand zusammengerollt (Bilder 3/4) und mittels Wärme und Druck in der Presse gewalkt (Bild 5/6).

FILZ

Die Qualitäten des Naturproduktes Filz werden wieder vermehrt geschätzt. Filz hält grossen Temperaturen und Belastungen stand, ist wasserabweisend und relativ kostengünstig in der Herstellung. Die Teppichunikate mit einfachen, graphischen Motiven in Naturtönen mit Farbakzenten bilden einen harmonischen Kontrast zu industriell hergestellten Einrichtungsgegenständen. Mit FILZBACH sollen aber auch Perspektiven für neue Filzmachergenerationen in Zentralanatolien geschaffen werden.

FILZBACH

Masse und Preise:
Unikate in diversen Massen von 3 bis 4 m2
Preisbeispiel für 150/200, CHF 395.-

Christoph Hefti, geboren 1967 in Lausanne, pendelt zwischen der Schweiz, Paris, Brüssel und Mailand. Nach seiner Ausbildung an der Schule für Gestaltung Zürich als Textil Designer folgte die Weiterbildung an der Central St.Martin‘s School of Art and Design in London mit den Abschlüssen BA Fashion und MA Fashion/Textile Distinction.

ChristophHefti

Nach ersten Engagements bei Jean-Paul Gaultier (Paris) und Fabric Frontline (Zürich) arbeitete Christoph Hefti 13 Jahre als Creative Assistant für Dries Van Noten (Antwerpen), wo er für das Entwerfen und Entwickeln der Stoffdrucke verantwortlich war. Von 2011 bis 2013 folgte ein Engagement bei Lanvin als freiberuflicher Print und Jacquard Designer und seit 2013 entwirft er Stoffe für Balenciaga. 2013 recherchierte er für Bulgari im Bereich Flacon- und Verpackungsdesign. Er entwickelt in Eigenregie limitierte Editionen von handgeknüpften Teppichen, hergestellt in Nepal. Im Oktober 2014 wird er seine erste Teppich Kollektion CHRISTOPH HEFTI RUGS lancieren.

Nebst seinen Aufträgen für die Industrie hat sich Christoph Hefti auch mit diversen kulturellen Projekten einen Namen gemacht, so bei der Weltausstellung 2005 in Aichi (Japan), wo er zusammen mit der Modedesignerin Lela Scherrer die Uniformen des Schweizer Pavillons entwickelte. Ausserdem ist er ein geschätzter Juror bei Wettbewerben im In- und Ausland. Ob Theaterkostüme, Performing Art Projekte im Kollektiv oder Videokunst-Installationen in Eigenregie und für diverse Kunsträume und Galerien in Europa, der arrivierte Schweizer Designer fühlt sich auf verschiedenen Bühnen wohl. Das bezeugt auch sein Palmarès.