Gestern Abend war es endlich soweit: im umgebauten Pfister am Walcheplatz in Zürich öffnete der erste Jan Kath Shop der Schweiz seine Tore. ”Das ist ein spannendes Experiment. Nirgendwo sonst stellen wir bei einem Flächenanbieter aus und ich kenne kein Land der Welt, wo der Qualitätsanspruch so hoch liegt, wie in der Schweiz“, sagt der international bekannte und mehrfach preisgekrönte Teppichdesigner.

Jan Kath

Im neuen Jan Kath Shop in Zürich wird ein Querschnitt durch die Erfolgskollektionen From Russia with LoveErased Classics sowie die neueste Kollektion Erased Heritage angeboten – Kollektionen, die vorwiegend in Nepal in eigenen Manufakturen hergestellt werden.

Dass Jan Kath seine Stücke exklusiv bei Pfister ausstellt, ist kein Zufall. ”Pfister war und ist noch immer ein sehr, sehr guter Partner.“ Die freundschaftliche Beziehung zwischen dem Designer und Pfister entwickelte sich bereits in den Anfängen. ”Ich hatte damals noch kein so stark ausgearbeitetes Konzept. Dann traf ich auf der Domotex (Weltleitmesse für Bodenbeläge in Hannover, Anm. d. Red.) Niels Blättler (Category Manager  für Teppiche bei Pfister, Anm. d. Red.). Er hat dafür gesorgt, dass wir als Marke in der Lage waren, konzeptioneller zu arbeiten und mich ermutigt, mein Geschäft zu professionalisieren und größer aufzuziehen. Für mich ist diese Shop-Sache ein Novum und ich bin mir sicher, dass dieses Experiment erfolgreich sein wird.“

Quelle: Jan Kath Website

Jan Kath Teppiche

Erfolgreich ist Jan Kath schon seit über einem Jahrzehnt. In die Teppichhändler-Fussstapfen der Eltern zu treten war aber nie in seinem Sinn. ”Es ist ja oft so: wenn man in einer Familie aufwächst, die einem speziellen Handwerk nachgeht, dann will man genau das eben nicht machen.“ Zu den Fusswärmern hat er glücklicherweise trotzdem gefunden. Der Zufall wollte es, dass er in Kathmandu einen deutschen Teppichlieferanten seiner Eltern traf. Während dieser das Land verlassen wollte, wollte Jan Kath in der Region bleiben. Also übernahm er kurzerhand die Qualitätskontrolle der Werkstätten und war bereits zwei Jahre später deren Eigentümer. ”Der Teppich war zu diesem Zeitpunkt total out. Wenn man Architekturzeitungen durchblätterte, waren da nur blankpolierte, nackte Böden.“ Dank seinen Bestrebungen und harter Arbeit hat er es aber geschafft, dass der Teppich wieder in den Köpfen der Menschen präsent war, denn Jan Kath fand, wie er sagt, ”einen frischen, neuen Zugang“ zum gedanklich verstaubten Bodenschmuck. ”Es war, glaube ich, schon so, dass ich im best-schlechtesten Moment in die Teppichindustrie eingestiegen bin (lacht).“

Quelle: Jan Kath Teppiche 

Jan Kath Teppich

Für Jan Kath ist der Teppich weit mehr als ein blosses Dekorationsobjekt. ”Der Teppich ist Kommunikations- und Wohninsel in einem. Auf ihm findet das Leben statt. In vielen Kulturen, vor allem jenen, wo der Teppich herkommt, ist es oft so, dass da nur ein Teppich liegt und sonst nichts.” Ursprünglich im Nomadentum zur Isolierung eingesetzt, ist der Teppich heute ein zentraler Einrichtungsgegenstand und aus vielen Wohnungen kaum mehr wegzudenken. Wer aber glaubt, dass es sich bei Jan Kaths Kreationen um klassische Oma-Verschnitte handelt, der irrt gewaltig. ”Die Leute, die mit mir arbeiten, haben keinen Teppichhintergrund, deshalb sind unsere Ansätze ganz anders. Wir sind mutiger und setzen auch Dinge um, die sich andere nicht trauen.“

Jan Kath Teppich

Oft spiegelt sich in Kaths Entwürfen die Ästhetik des Verfalls und der Vergänglichkeit wider. Er trifft es auf den Punkt wenn er sagt: ”Viele meiner Kreationen sind perfekt unperfekt.“ Für die neue Kollektion 2014/15 ist er mit dem Vintage-Thema aber durch, wie er selbst anfügt. ”Man möchte ja keine Eintagsfliege sein (das ist er ohnehin längst nicht mehr, Anm. d. Red). Nachdem sich der Verfalls-Look einige Jahre gehalten hat, ist es nun an der Zeit für etwas Neues.“

 Quelle: Ferrara Rocked Teppich CHF 6980.-

Jan Kath Teppich

Auch wenn seine Firma seit einigen Jahren auch in der Tuftindustrie tätig ist, schlägt sein Herz nach wie vor für die echte Handknüpfkunst. ”Handgeknüpfte Teppiche haben einen ganz anderen Charakter, das ist wie Massivholz und Furnier.“ Fragt man Jan Kath nach seiner persönlichen Lieblingskollektion, muss er Schmunzeln: ”Gerade bin ich in die neue Erased Heritage Kollektion verliebt, aber diese Liebschaften ändern ständig (lacht).”

So wie jeder Künstler, hat auch der Boden-Couturier manchmal mit Motivationsschwierigkeiten zu kämpfen. ”Nach der letzten Domotex war ich extrem frustriert, weil meine Sachen so hart kopiert wurden. Auf der anderen Seite kann ich aber auch nichts anderes, hinschmeissen kam also nicht in Frage (lacht). Ich habe dann einige Wochen gebraucht, um mich aus diesem Tief wieder rauszuziehen.“

Jan Kath Teppich "From Russia with love"

In Jan Kaths eigener Wohnung sucht man seine Teppiche aber vergebens. ”Mit Ausnahme eines modernen Teppichs einer befreundeten Designerin sind die Teppiche, die ich in der Wohnung habe, antike Sammlerstücke. Aber wenn ich meine Kreationen sehen will, dann kann ich jederzeit aus dem Wohnzimmer durch ein Guckloch direkt in meinen Show-room sehen. Es ist ein bisschen wie bei einem Goldschmied. Echte Goldschmiede, die wirklich was auf sich halten, würden ihren eigenen Schmuck niemals tragen und letztendlich muss man ja auch ein bisschen Abstand zu seinen Sachen gewinnen, auch wenn mir das als Workaholic nicht immer leicht fällt.“

Auf seine neuen Kollektionen darf man jedenfalls mehr als gespannt sein. So viel sei schon mal verraten: die abstrakte Malerei, Luftbilder, das Thema Weltall und das Hubble Teleskop spielen eine tragende Rolle.

Quelle: Jan Kath Teppiche 

Ps. Augen auf, wenn Sie in Zürich mit den ÖVs unterwegs sind. Heute und morgen erwartet Sie ausserdem eine grosse Überraschung am Zürcher Hauptbahnhof.